Bio­en­er­ge­tik

Alex­an­der Lowen (geb. 1910, gest. 2008), Psy­cho­ana­ly­ti­ker-Schü­ler von Wil­helm Reich, ent­wi­ckel­te 1956 mit sei­nem Kol­le­gen John Pier­ra­kos die „Bio­en­er­ge­ti­sche Ana­ly­se“. Dabei wer­den fünf soge­nann­te „Cha­rak­ter­struk­tu­ren“ unter­schie­den, ener­ge­ti­sche Ten­den­zen, die ver­schie­de­ne typi­sche Blo­cka­den und Pan­ze­run­gen aus­prä­gen, die der Ein­zel­ne in der Kind­heit not­ge­drun­gen ent­wi­ckeln muss­te, um zu (über)leben, die ihn als Erwach­se­nen dann aber mehr oder weni­ger in sei­ner frei­en Ent­fal­tung hin­dern. Dabei prä­gen sich die Cha­rak­ter­struk­tu­ren auf drei Ebe­nen aus, in cha­rak­te­ris­ti­schen kör­per­li­chen Hal­tungs­mus­tern, in typi­schem  inne­ren Erle­ben und in typi­schen Ver­hal­tens­wei­sen.

Wenn ein Mensch beginnt zu sin­gen, spie­len alle drei Ebe­nen – mehr oder weni­ger ein­schrän­kend – mit hin­ein. Durch die Typi­sie­rung in fünf Cha­rak­ter­struk­tu­ren kön­nen einer­seits die kör­per­li­chen Hemm­nis­se und Blo­cka­den genau loka­li­siert wer­den, ande­rer­seits aber auch die dazu gehö­ren­den see­li­schen Grund­le­bens­ge­füh­le (und die in ihnen ange­leg­ten inne­ren Befrei­ungs­be­we­gun­gen) wahr­ge­nom­men wer­den (z.B. ein Gefühl der grund­sätz­li­chen Kraft- bzw. Macht­lo­sig­keit, das zu einer sanf­ten, lie­be­voll mit mei­nem Inne­ren ver­bun­de­nen Kraft wer­den will; ein Gefühl des fast alles beherr­schen­den Per­fek­tio­nis­mus, das zu einer Lebens­tüch­tig­keit wer­den will, die lie­be­voll Leben ermög­licht, anstatt es abzu­schnü­ren usw.). Es ist eine Befrei­ung, im Sin­gen die­se inne­ren Zusam­men­hän­ge so klar erle­ben und damit ver­än­dern zu kön­nen. Durch das bewuss­te „inne­re Anschlies­sen“ der Stim­me an die Atem­be­we­gung der Mit­te kön­nen ener­ge­ti­sche Ein­sei­tig­kei­ten von innen her­aus aus­ge­gli­chen und in Har­mo­nie gebracht wer­den. Damit wird der Anstoss gege­ben, die Mus­ter, die einen bis­her mehr oder weni­ger am Sin­gen und am Leben hin­der­ten, auf­zu­lö­sen bzw. sie in kon­struk­ti­ve, inner­lich ange­schlos­se­ne Kräf­te zu ver­wan­deln.