Mit­te  

Val­borg Wer­beck spricht in ihrem Buch „Die Schu­le der Stimm­ent­hül­lung“ in Bezug auf das Sin­gen vom obe­ren Pol, vom unte­ren Pol und von der Mit­te, davon, wie sich, indem obe­rer und unte­rer Pol in Bezie­hung gesetzt wer­den, Mit­te bil­det, man letzt­end­lich „alles zusam­men als einen ein­zi­gen Mit­tel­punkt“ erlebt und so ein „Ton der Mit­te“ ent­steht. Sie zieht dabei die Par­al­le­le zu den drei See­len­kräf­ten Den­ken, Füh­len und Wol­len und ord­net die „Klang­füh­rung“ dem Den­ken, die „Spie­ge­lung des Klan­ges“ dem Wol­len und die „Klang-Erwei­te­rung“ dem Füh­len zu. Dem ent­spricht die Drei­glie­de­rung des Men­schen in obe­ren Men­schen, bzw. Ner­ven-Sin­nes-Men­schen, unte­ren Men­schen bzw. Stoff­wech­sel-Glied­mas­sen-Men­schen und mitt­le­ren Men­schen bzw.  rhyth­mi­schen Men­schen des Her­zens und der Atmung, über den der obe­re und der unte­re Pol über­haupt erst die Mög­lich­keit bekom­men, in ein Ver­hält­nis, in einen Aus­gleich mit­ein­an­der zu kom­men.

So las­sen sich der obe­re und der unte­re Pol auch der grund­sätz­li­chen Pola­ri­tät zwi­schen Bewusst­seins-Prin­zip und Lebens-Prin­zip zuord­nen, die nur in ein Ver­hält­nis mit­ein­an­der kom­men kön­nen, zu einem grös­se­ren Gan­zen im Men­schen wer­den kön­nen durch eine sich bil­den­de, schwin­gend-atmen­de und damit aus­glei­chen­de Mit­te. In die­sem Sin­ne ist Mit­te etwas, wor­um der Mensch ein Leben lang ringt, etwas, was er zeit­le­bens sozu­sa­gen immer neu in sich „gebiert“. So ist der bewuss­te Aus­gleich, die Inte­gra­ti­on der Kräf­te ein eigent­lich schöp­fe­ri­scher Akt, und dies spie­gelt sich als Gesamt­vor­gang auch im Bil­den eines wirk­lich frei­en Tones, der eben­falls durch Aus­gleich, durch Inte­gra­ti­on der Kräf­te „gebo­ren“ wird.

So wird Sin­gen tief freu­dig und erfül­lend, weil sich der Mensch dabei ganz kon­kret als schöp­fe­ri­sches Wesen erle­ben kann, das als „Instru­ment“ sozu­sa­gen einen „eige­nen Ton“ zum ihn umge­ben­den Gesamt­zu­sam­men­hang, “Gesamt­zu­sam­men­klang” bei­trägt und aus die­sem her­aus sei­ne eige­ne „Wohl-Gestimmt­heit“ fin­det.