Sin­gen, von der Mit­te getra­gen

Sin­gen gehört zum Erstaun­lichs­ten und Berüh­rends­ten, was ein Mensch zu Wege brin­gen kann. Kaum eine ande­re Tätig­keit scheint so aus dem Inners­ten des Men­schen zu kom­men, aber auch den Zuhö­rer so in der Tie­fe zu errei­chen. Dabei ist das Beglü­cken­de, Erfül­len­de an der Gesangs­stim­me, dass sie mir ange­bo­ren ist, dass ich sie nicht „machen“ son­dern nur ent­de­cken und dann ent­fal­ten kann. Sie ist ein­ma­lig und unver­wech­sel­bar, weil sie offen­sicht­lich eng ver­knüpft ist mit mei­nem Wesens­kern. Wenn ich mich des­halb nach innen wen­de und mei­ne Kräf­te sich zusam­men­schlies­sen, kann ich die Gesangs­stim­me als Aus­druck und Spie­gel einer leben­dig sich bil­den­den Mit­te ent­de­cken und nach und nach “aus­wi­ckeln”. So ergibt sich eine dyna­mi­sche Bewe­gung, bei der, ange­stos­sen durch das sich ent­fal­ten­de Sin­gen, der gan­ze Mensch immer mehr „gemit­tet“ und auf­ge­schlos­sen wer­den kann. 

Auf die­se Wei­se wird das Sin­gen einer­seits zu einer Rei­se zu mei­ner urei­ge­nen und des­halb nach­hal­tig gesun­den und lebens­vol­len Gesangs­stim­me, ande­rer­seits aber auch zu einer har­mo­ni­sie­ren­den und befrei­en­den Rei­se zu mir selbst.